"Wir hoffen, dass Masken bald auch so verteilt werden"

12.3.20, Tag 2


Gestern entschied ich mich, meine Asthma-Spray-Reserven aufzufüllen. Als erstes las ich an der Eingangstür der Arztpraxis Hinweise, wie man sich verhalten soll, wenn man bei sich die bekannten Corona-Symptome bemerkt hat. Man dürfe auf keinen Fall direkt in die Praxis kommen, sondern müsse unbedingt zuerst anrufen. Es war voll in der Praxis, aber es herrschte Ruhe. Ich ertappte mich dabei, dass ich mich fast schon widerwillig auf einen Stuhl neben einen anderen Wartenden hinsetzte. „Die Stühle stehen sehr eng beieinander“, dachte ich. Und dann dachte ich: „Mein Gott, ich hätte nie denken können, dass mich so etwas einmal beunruhigen könnte“. Meine Ärztin sagte, sie hoffe auf wärmere Temperaturen; sie empfahl mir, größere Menschenmassen zu vermeiden.


Als ich heute zur Apotheke ging, um die Asthma-Sprays abzuholen, sah ich an der Eingangstür ein großes Schild „Atemschutzmasken hier erhältlich“. Ich fragte die Apothekerin, was die Masken kosten und für wie lange sie reichen. Es gibt wohl zwei Arten von Masken, mit und ohne Filter. Die Masken mit Filter darf man aber nicht sehr lange tragen, weil sie den Atem erschweren. Eine Maske mit Filter kostet um die 8 Euro, zwei Masken ohne Filter in einem Pack kosten ebenfalls 8 Euro. Eine Maske reicht für einen Tag. Und obwohl ich schon aus einem Bericht im Fernsehsender ARTE wusste, dass Masken maximal für einen Tag reichen, hat mich diese Information umgehauen. Als ich nachrechnete, was mich dieser Schutz kosten würde, hatte ich so viele Nullen vor meinen Augen, dass für mich diese Zahl als etwas Abstraktes erschien. Wenn es irgendwann nötig sein sollte, diese Masken täglich zu tragen, dann würde eine Person für den Zeitraum von drei Monaten ca. 100 Masken benötigen. Für die Stadt Berlin (ich rechne jetzt einfach mal für 3 Millionen) wären für den gleichen Zeitraum Masken in der Größenordnung von dreihundert Millionen notwendig. Und bezahlbar wären sie bei dem Preis ohnehin nicht. Die Apothekerin vertröstet mich „Ja, das ist teuer und nützt nicht sehr viel. Wir hoffen aber, dass die Masken bald auch so verteilt werden.“.


Das Gespräch wurde mir langsam unheimlich. Ich fragte dennoch vorsichtig nach einem Desinfektionsmittel. „Ja, wir haben Alkohol. Alkohol hilft auch. Wir verdünnen ihn selbst und füllen ihn in Sprühfläschchen ab. 60% muss der Alkoholgehalt mindestens betragen, wir haben sogar 70%. Das Schlimme ist, dass das Virus unsichtbar ist und wir nicht wissen können, wer es hat und wer nicht.“ Ich kaufte für 8 Euro ein kleines Sprühfläschchen mit einem apothekeneigenem Aufkleber und ging weiter zur Arbeit.


Ich hatte ja gehofft, dass meine Alarmglocken, von denen ich im ersten Text geschrieben habe, um sonst geläutet haben. Der heutige Morgen hat diese Hoffnung deutlich verringert.



Bild: Ekaterina Quehl

© 2020 Ekaterina Quehl. Berlin, Deutschland. Created with Wix.com, © Hintergrund: designed by bearfotos / Freepik

E-Mail: k.quehl@web.de

This site was designed with the
.com
website builder. Create your website today.
Start Now